Ausblick auf Produktivsetzung
Die Überführung der Referenzimplementierung in eine produktionsreife KI-Plattform erfordert eine systematische Weiterentwicklung in mehreren Themenbereichen. Die folgenden Arbeitspakete skizzieren die notwendigen Schritte für einen erfolgreichen Produktivbetrieb.
Überblick der Themenbereiche
Die Weiterentwicklung gliedert sich in acht zentrale Themenbereiche, die parallel bearbeitet werden können:
- Überführung in Produktionsqualität
- Betriebswirtschaftliches Modell
- Integration in die BITBW
- Compliance
- Qualitätssicherung
- Supportorganisation
- Betriebsorganisation
- Infrastruktur
Themenbereich 1: Überführung in Produktionsqualität
Ziel: Bereitstellung einer produktionsreifen LLM-Gateway-Plattform mit vLLM-Inferenzschicht, Skalierung und Admin-Oberfläche.
Die Referenzimplementierung muss für den Produktivbetrieb gehärtet werden. Dazu gehört die Absicherung des LLM-Gateways mit zusätzlichen Sicherheitsmechanismen und verbesserter Fehlerbehandlung. Die vLLM-Inferenzschicht benötigt intelligente Skalierungslogik, Multi-Replica-Unterstützung und Failover-Mechanismen für unterbrechungsfreien Betrieb mit intelligenter Last-Verteilung. Eine dedizierte Administrations-Oberfläche muss entwickelt werden, die speziell auf die Anforderungen der Verwaltung zugeschnitten ist und umfassende Verwaltungsfunktionen für Benutzer, Modelle und Ressourcen bietet. Umfassende Performance-Tests sind durchzuführen, um Engpässe zu identifizieren und Antwortzeiten sowie Durchsatzraten zu optimieren.
Themenbereich 2: Betriebswirtschaftliches Modell
Ziel: Entwicklung eines nachhaltigen Preis-, Service- und Abrechnungsmodells für den wirtschaftlichen Betrieb.
Für den wirtschaftlichen Betrieb der Plattform müssen Produktstrategie und Servicekataloge entwickelt werden, die verschiedene Kundengruppen und Service-Levels berücksichtigen. Es sind Abrechnungsmodelle zu konzipieren, die unterschiedliche Nutzungsszenarien abdecken (verbrauchsbasiert, Flatrate, etc.) und eine transparente Kostenstruktur ermöglichen. Die Integration in bestehende ERP- und Abrechnungssysteme ist erforderlich, um automatisierte Rechnungserstellung und Reporting für das Controlling zu gewährleisten. Eine Budgetierungs- und Kostenstellenlogik muss etabliert werden, die eine präzise Kostenzuordnung und -kontrolle ermöglicht.
Themenbereich 3: Integration in die BITBW
Ziel: Technische und organisatorische Integration des Inference-Layers in bestehende Systeme inkl. Prozesse, Schnittstellen und ITSM.
Die Plattform muss vollständig in die bestehende IT-Landschaft der BITBW integriert werden. Dies umfasst die Anbindung an Authentifizierungs- und Autorisierungssysteme (Active Directory, SSO), die Integration in Monitoring- und ITSM-Prozesse sowie den Aufbau von Schnittstellen zu bestehenden Plattformen und Fachverfahren. Die Netzwerk- und Security-Integration erfordert die Abstimmung mit bestehenden Firewall-Policies und die Anbindung an zentrale Security-Services. Umfassende Betriebsdokumentation und formale Abnahmetests durch Betriebsverantwortliche sind notwendig.
Themenbereich 4: Compliance
Ziel: Sicherstellung der gesetzlichen, sicherheitsrelevanten und regulatorischen Anforderungen sowie Aufbau eines Governance-Rahmens.
Zur Sicherstellung der rechtlichen Konformität muss eine Datenschutz-Folgeabschätzung gemäß DSGVO durchgeführt und technische sowie organisatorische Maßnahmen (TOMs) implementiert werden. Regelmäßige Architektur-Reviews und Security-Audits sind erforderlich, um die Sicherheit kontinuierlich zu gewährleisten. Die Vorbereitung und Begleitung externer Audits, insbesondere im Hinblick auf Penetrationstests und AI Act Compliance, ist zu organisieren. Policies, Governance-Regeln und Rollenmodelle müssen dokumentiert und etabliert werden, um einen klaren Rahmen für den Betrieb zu schaffen.
Themenbereich 5: Qualitätssicherung
Ziel: Aufbau und Durchführung eines umfassenden Test- und QS-Konzepts inkl. Pilotbetrieb.
Ein umfassendes Qualitätssicherungskonzept mit automatisierten Testpipelines (Unit-, Integrations- und End-to-End-Tests) ist aufzubauen. Performance- und Lasttest-Frameworks müssen entwickelt werden, um die Kapazitätsplanung zu unterstützen und die Systemleistung kontinuierlich zu überwachen. Integrationstests über alle Komponenten hinweg sowie Security- und Penetrationstests durch externe Dienstleister sind durchzuführen. Pilotprojekte mit ausgewählten Nutzern ermöglichen Akzeptanztests und die Einarbeitung von Feedback vor dem Rollout.
Themenbereich 6: Supportorganisation
Ziel: Etablierung einer nachhaltigen Supportstruktur mit Konzept, Leitfäden und Betriebsübergabe.
Eine mehrstufige Supportorganisation (1st-/2nd-/3rd-Level) ist aufzubauen, die klare Verantwortlichkeiten und Eskalationswege definiert. Supportprozesse müssen dokumentiert und mit Workflows, Ticket-Kategorien und Prioritäten versehen werden. Umfassende Leitfäden, eine Knowledge-Base und Schulungsunterlagen sind zu erstellen, um Administratoren und Endnutzer zu befähigen. Support-KPIs und Service-Level-Agreements (SLAs) sind zu definieren und deren Einhaltung zu überwachen. Die Integration von Supportwerkzeugen (Ticketsystem, ITSM-Tools) mit dem Monitoring-System vervollständigt die Supportinfrastruktur.
Themenbereich 7: Betriebsorganisation
Ziel: Definition und Dokumentation aller Betriebsprozesse für einen sicheren, langfristigen Betrieb.
Alle Betriebsprozesse müssen standardisiert und in Form von Standard Operating Procedures (SOPs), Betriebshandbüchern und Runbooks dokumentiert werden. Dies umfasst Start/Stop-Prozeduren, Backup- und Recovery-Prozesse sowie Notfallprozeduren. Rollen- und Verantwortlichkeitsmodelle (z.B. RACI-Matrizen) sind zu etablieren, die klar definieren, wer für welche Aufgaben zuständig ist. Die Planung von Betriebsübernahmen erfordert Übergabepläne, Onboarding-Materialien und Knowledge-Transfer-Workshops. Regelmäßige Betriebsreviews und kontinuierliche Verbesserungsprozesse sichern die Qualität des laufenden Betriebs.
Themenbereich 8: Infrastruktur
Ziel: Planung, Bereitstellung und Betrieb der notwendigen Infrastruktur (Cloud, GPU, Netzwerk, Containerplattform).
Die Infrastrukturplanung umfasst das Sizing und die Architektur für CPU, GPU, RAM, Storage und Netzwerkanbindung unter Berücksichtigung von Hochverfügbarkeitsanforderungen. Die Bereitstellung der Cloud- oder On-Premise-Infrastruktur erfordert Beschaffung und Integration von Hardware-Ressourcen sowie die Einrichtung der Rechenzentrumsumgebung. Netzwerksegmentierung, Firewall-Konfiguration, VPN-Zugänge und Zertifikatsmanagement sind zu implementieren. Speziell für KI-Workloads sind GPU-Cluster und Kubernetes-Umgebungen zu provisionieren und zu konfigurieren. Die Automatisierung mit Infrastructure-as-Code-Tools (Terraform, Ansible, Helm) und GitOps-Workflows ermöglicht reproduzierbare und wartbare Deployments.
Zusammenfassung und nächste Schritte
Die Überführung der KIVA-Referenzimplementierung in eine produktionsreife Plattform ist ein umfangreiches Vorhaben, das eine koordinierte Bearbeitung aller acht Themenbereiche erfordert. Die parallele Bearbeitung der Arbeitspakete ermöglicht eine effiziente Umsetzung, wobei klare Abhängigkeiten und Meilensteine zu beachten sind.